Kultur - Staatssache? Privatsache?

Schopenhauer-Lounge

Die Redner der Schopehauer-Lounge um Bettina M. Wiesmann
Die Redner der Schopehauer-Lounge um Bettina M. Wiesmann
 

Bettina M. Wiesmann: „Kultur ist das Ferment einer freiheitlichen und innovativen Gesellschaft – Kulturförderung braucht öffentliche Hand sowie ein dichtes Netz von privaten Geldgebern, Kulturunternehmern und Stiftungen“

 

In Zeiten klammer Haushalte auf allen Ebenen wird – wie zuletzt auch in Frankfurt – oft recht bedenkenlos an der Kultur gespart. Gerade im Vergleich zu vermeintlich unabweisbaren Versorgungs- oder Infrastrukturaufgaben wird der Nutzen der Kultur hinterfragt.

 

Vor diesem Hintergrund lud die direkt gewählte Landtagsabgeordnete im Wahlkreis 38 (Bornheim, Nordend und Ostend), Bettina M. Wiesmann MdL, im Rahmen der Schopenhauer-Lounge - einer progressiven Veranstaltungsreihe, die zukunftsrelevante Themen zur Diskussion stellt -, zur Auseinandersetzung mit der Frage ein: „Kultur – Staatssache? Privatsache?“.

 

Als Diskussionspartner hatte Wiesmann drei hochkarätige Experten ganz unterschiedlicher Provenienz gewonnen. Für die öffentliche Hand kam Kulturdezernent Prof. Felix Semmelroth und stellte nachdrücklich die Bedeutung der Förderung aus dem Stadtsäckel für den Kulturbetrieb heraus: „Das Engagement der öffentlichen Hand für die kulturelle Infrastruktur ist für eine möglichst breite Teilhabe der Menschen in Frankfurt und der ganzen Region an Kunst und Wissenschaft, am historischen Erbe und den Bildungsgütern der Menschheit unverzichtbar.“

 

Clemens Greve, Geschäftsführer der Frankfurter Bürgerstiftung mit Sitz im Nordend, betonte, dass privates Engagement für Kultur und andere wohltätige Zwecke gerade in Frankfurt eine lange Tradition habe: „Unsere Bürgerstiftung sieht darin ihre ureigene Rolle: Bürgerinnen und Bürgern eine Möglichkeit zu geben, ihren persönlichen Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten und dabei im Verbund und in Abstimmung mit Gleichgesinnten zu agieren. Gerade für diesen Brückenschlag zwischen dem einzelnen Bürger und der Stadtgesellschaft als Gesamtheit bieten die Stiftungen eine einzigartige Plattform.“

 

Das Gesprächstrio komplettierte Gerhard Stief, als Gründer und Inhaber des ebenfalls ohne Steuermittel geführten Science-Centers EXPLORA im Nordend ein echter Kulturunternehmer. Stief wies darauf hin, dass auch in einer noch so reichhaltigen Kulturlandschaft wie in Frankfurt die Wertschätzung für Privatinitiativen erhalten bleiben müsse: „Die EXPLORA zeigt, dass wir auch ohne öffentliche Förderung viel bewerkstelligen können. Gerade unsere Unabhängigkeit hilft uns dabei. Wir wünschen uns weniger öffentliches Geld als vielmehr Wertschätzung und Anerkennung unserer Leistungen, auch im Vergleich mit Wettbewerbern, die sich intensiver um öffentliche Unterstützung bemühen“, stellte Stief klar.

 Gedränge vor der Schopenhauer-Bar

Der sich anschließende lebhafte Meinungsaustausch der knapp 50 Gäste, zu dem auch Vertreter anderer Kultureinrichtungen aus dem Wahlkreis 38 sowie der Ortsbeiräte und der Stadtpolitik erschienen waren,  ergab eine Reihe konstruktiver Vorschläge zur Verbesserung des Zusammenwirkens. Stiftungen, private Geldgeber und Politik müssten noch mehr aufeinander hören und durch geschickte Vernetzung ihre Kräfte besser bündeln. Die Gastgeberin Bettina Wiesmann regte an, das vorherrschende Grundmuster der Stiftungsarbeit zu überdenken, lediglich Anschubfinanzierungen zu geben,damit nach erfolgreichem Anschieben die öffentliche Hand die Aufgabe übernehmen solle: „Kann eine Stiftung oder ein Stifterverbund nicht dauerhaft seinen Zweck darin erfüllen, dass z.B. ein so erfolgreiches und rundum positiv aufgenommenes Projekt wie das Grundschulchorprojekt Primacanta schlicht auf Dauer fortgeführt wird?“ fragte sie.

 

Auf Seiten der öffentlichen Kulturförderung wurde eine Schwachstelle bei der institutionellen Förderung erkannt. Zwar führe diese zu mehr Planungssicherheit bei den Kulturschaffenden und sorge für ein verlässliches Angebot z.B. in der Kulturpädagogik, jedoch blockiere sie teilweise Innovation und Kreativität. Dr. Thomas Dürbeck, kulturpolitischer  Sprecher der CDU-Fraktion im Römer, plädierte in diesem Sinne: „Öffentliche Kulturförderung ist unerlässlich. Sie muss sich aber auch immer wieder neu begründen. Deshalb sollte jede geförderte Einrichtung ihre besondere Idee oder Aufgabe regelmäßig begründen und vorstellen.“

 Publikum

Zum Ausklang der Lounge bedankte sich Bettina Wiesmann für die rege Teilnahme und die engagierte Diskussion. Für ihren urbanen Wahlkreis habe das Thema Kultur eine besondere Bedeutung, der sie auch auf Landesebene Gehör weiterhin verschaffen wolle.

 

Die nächste Schopenhauer-Lounge findet am Mittwoch, dem 19. Juni 2013 um 20 Uhr statt.

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